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Geschäftsmodelle überdenken! Content is King

3 Januar 2010 Kein Kommentar

Mir ist bewußt, dass ich hier nicht der einzige bin, der klug über das Jahr 2010 daher reden möchte. Ich würde mich aber trotzdem freuen, wenn ich von euch etwas Aufmerksamkeit erhalte. Und besonders schön wäre es, wenn wir im Anschluss meine Thesen ein wenig diskutieren. Denn ich will nicht weniger sagen, als das sich im nächsten Jahr mal wieder alles ändert und jeder sein Geschäftsmodell mal bitte überdenken sollte…

Vielleicht bin ich ja einseitig von meinem Beruf als Agenturchef einer Content-SEO-Bude geprägt. Aber ich spürte in den vergangenen Monaten des Jahres 2009 eine sehr unkritische Fixierung von Geschäftsmodellen in Richtung SEO. Nachdem das Thema “Suchmaschinenoptimierung” auf breiter Basis angekommen war, ging eine Stampede auf den Index los, hektisch und teilweise unüberlegt. Doch andererseits bewegt sich Google meiner Meinung nach sehr deutlich in eine Richtung, die genau denen große Schmerzen verursachen wird, die denken, die Suchmaschine jetzt überlistet zu haben.

Hierzu ein paar Slides aus einer Seminar-Präsentation, die die Burda-Volontäre in den nächsten Tagen zu sehen bekommen:

Das zu der Entwicklung der Suchergebnisse in den vergangenen Monaten. Nicht alles ist nagelneu, aber Living Stories, Squared, Image Swirl und Wonderwheel schon.

Außerdem möchte ich den Blick auf die Branchen lenken, die Dinge getan haben bzw. tun, die Google nun auch kann. Und da müssen wir gar nicht an die Maps-Dienstleister map24 oder falk denken. Schaut euch mal auf Alexa die Kurven von Qype.com, Kino.de oder auch ciao.com an. Sieht nicht gut aus… Warum? Die Antwort ist zu sehen, wenn man “Restaurant”, “Kino” oder “Heilpraktiker” in Google eingibt: Hier finden sich auf den ersten Plätzen zunehmen keine Verweise mehr auf Webseiten – sondern Antworten. Was kommt in Bad Tölz im Kino? Welche Kneipen sind in Dillingen empfehlenswert? Welche Heilpraktiker gibt es in meiner Nähe?

In der zweiten Dezemberhälfte hat Google zudem ein Algorithmus-Update nach Deutschland gebracht, mit dem für generische Keywords (wie “DSL” oder “Konto”) kaum mehr vergleichende Seiten auf den ersten Plätzen stehen – sondern gleich die DSL- bzw. Konto-Anbieter. Mittlerweile ist Google hier wieder ein Stück zurück gerudert (weil die Ergebnisse wirklich unterirdisch waren), aber das Ziel ist ganz klar erkennbar: Google möchte nicht mehr nur Wegweiser sondern der Weg selber sein.

Während wir vor wenigen Jahren bei Suche nach “Mikrowelle” sicherlich zunächst einmal von der Wikipedia erfahren hätten, was das genau ist und danach dann Ciao.com für Produktbewertungen gesorgt hätte, stehen nun die “Shopping-Ergebnisse für “Mikrowelle”" auf Platz eins. Und wer diese auswählt bekommt schnell ein solches Bild:

Das entspricht so in etwa dem Konzept von 10.000 Preis- und Angebots-Vergleich-Sites. Und, nicht vergessen, Google hat das Potential, solche Informationen auch noch in Squared oder Image Swirl darzustellen. Das wird zu einer prima Einkaufshilfe. Ebenso vergleichbar werden alle anderen Produkte und, ja, sogar die “Kultur”. Denn offensichtlich sind Musik, Bücher und Kinofilme irgendwie auch nach Kategorien und Bewertungen viel einfacher “vergleichbar” als sie es früher waren…

Also, frißt die Datenkrake Google jetzt das Internet?

Mmmh, ich will damit sagen, dass ich derzeit keinen noch so innovativen Preisvergleicher oder Angebots-Finder finanzieren würde (wenn ich das Geld dazu hätte). Aber ich wäre auch zurückhaltend bei mobilen Barcode-Apps (die in einem Shop den Barcode eines Produkts lesen und einen billigeren Preis in der Nähe suchen) und allen ähnlichen Dienstleistungen bei denen vorhandene Informationen gesucht, gesammelt und aggregiert werden. Denn das macht Google eigentlich immer recht gut – und nebenbei ist die Firma der größte Technologie-Konzern der Welt. Schwer, dagegen anzukommen. Startups (und nicht nur die) kommen da schnell unter die Räder….

Mein Tipp: Bewertent den eigenen Content neu. Wie gesagt, in Sachen Technik und Reichweite ist der Konzern Google derzeit unschlagbar. Das mag sich möglicherweise ändern, wenn das Wachstum von facebook & Co. weiterhin anhält und man mit lustigen Apps in den sozialen Netzwerken am langen Hebel sitzt. Aber bis es wieder wirklich große, googlefreie Zonen im Internet gibt, werden vor allem diejenigen eine Chance haben, die die über eigenen, guten Inhalt verfügen – und diesen geschickt einsetzen.

Ja, damit will ich auch sagen, dass ich die Angst der Verlage im vergangenen Jahr durchaus für berechtigt halte – auch wenn ich an deren Stelle ein etwas anderes Vorgehen gewählt hätte… Und ich, dass sich das ganze Thema “Suchmaschinenoptimierung” bald völlig anders darstellt, als noch heute. Aber ich behaupte nicht, dass ich genau weiß, wohin sich all das bewegt.

Ich will vor allem um eines bitten: Überdenkt eure Geschäftsmodelle! Und nicht nur diejenigen, die SEO gerade erst für sich entdeckt haben. Auch wer heute 68 Prozent seine Traffic von Google bekommt, könnte in wenigen Monaten mit den restlichen 32 % alleine da stehen. Ich nehme an, dass die Kollegen von Qype, Ciao und Kino.de da demnächst einiges zu erzählen haben.

Die Suchergebnisse zeigen uns heute schon eine Richtung. Lasst uns diskutieren, welche Richtung das genau ist…

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