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Guter Content für ein paar Cent – das Ergebnis

8 April 2010 3 Kommentare

Mein Geschäftspartner Eric hat hier vor kurzem angekündigt, zwei Texte von Online-Textschmieden zu vergleichen: content.de und textbroker.de. Freundlicherweise hat er mir diesen Job überlassen, mir beide Texte geschickt und mir NICHT gesagt, welcher Text von wem ist. Hier meine Analyse:

content analyseEric hat zwei Texte zum gleichen Thema bestellt: „Umweltpapier“. Ich gucke mal mit der Germanisten- und mit der SEO-Brille auf beide Texte.

Text A macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Er liest sich relativ anspruchsvoll und redaktionell. Hier war jemand am Werk, der gut schreiben kann.  Aber dennoch weist der Text einen schlimmen orthographischen Patzer auf, der Autor verwechselte „das“ und „dass“:

„Laut Gesetz darf Papier, dass einen Recyclinganteil von mindestens 80 % enthält, mit der Aufschrift “aus 100 % Altpapier” gekennzeichnet werden.“

Außerdem enthält der Text einen recht windschiefen Satz:

„Bei der Wiederverwendung des Altpapiers werden viele der ursprünglich langen Papierfasern verkürzt und machen das Papier mitunter weniger stabil.“

Besser wäre hier ein Relativsatz gewesen: „… die das Papier mitunter weniger stabil machen.“ Das Füllwort „mitunter“ hat hier nichts verloren (ist das Papier nun weniger stabil oder nicht?).

Der Gesamteindruck ist dennoch gut. Und unter SEO-Gesichtspunkten? Hier müsste nacharbeiten, wer den Text auf einer Webseite verwenden wollte. Das Keyword ist eindeutig zu wenig in den Text integriert, vor allem nicht an den relevanten Stellen.

Fazit: Der Text ist hochwertig und brauchbar, müsste aber noch vom Experten überarbeitet werden. Also definitiv kein „rundum-sorglos-Text“. Aber sein Geld auf alle Fälle wert.

Und nun zu Text B.
Der erste Eindruck ist katastrophal. Hier drei Beispielsätze, die den Stil des gesamten Textes charakterisieren:

„Früher war Umweltpapier grundsätzlich grau, weshalb es oft nicht angenommen wurde.“

„Es ist zwar aufwändig, aber möglich, durch so genanntes Deinking, die Farbspuren restlos zu entfernen.“

„Da diese Zumengung oft nötig ist, darf auch Umweltpapier, welches nur zu 80 % aus Altpapier besteht, sich 100 % Altpapier nennen.“

Dieser Autor hat das flüssige, redaktionelle Schreiben definitiv nicht gelernt. Von insgesamt 15 Sätzen befanden sich sage und schreibe acht Sätze im Passiv. Vier Sätze behalfen sich mit einem Hilfsverb wie „müssen“, „sollen“, „dürfen“, und in vier Sätzen verwendete der Verfasser das Wörtchen „ist“ als Prädikat. Guter Stil sieht anders aus. Wo sind die ganzen ausdrucksstarken Verben im Aktiv?
Dafür hat das Rechtschreibprogramm gut funktioniert. Bis auf ein paar Fehler in der Interpunktion ist der Text fehlerfrei. Und mit SEO-Brille auf der Nase schneidet dieser Text ganz gut ab. Das Keword steht oft, fast ein bisschen zu oft im Text. Aber auch nicht an allen relevanten Stellen. Fazit: Auch kein rund-um-sorglos-Paket. Den Text so umzuschreiben, damit er sich wirklich gut anhört, wäre für mich fast ebenso aufwändig, wie ihn gleich selber zu verfassen. Wer auf seiner Webseite allerdings außer dem Robot keine Besucher erwartet, der wird mit dem Text vielleicht sogar glücklich.

Beide Texte haben die Feuerprobe mit Copyscape bestanden, und beide Texte haben sich nicht ausschließlich bei Wikipedia bedient, sondern auch noch andere Quellen hinzugezogen. Welche das sind, konnte ich leider nicht nachvollziehen.

Und hier mein Eindruck nach dieser Analyse:

Ich habe meinen Verdacht, welcher Text von welchem Textdienstleister stammt. Ich sag‘s aber nicht. Nur soviel: Am Anfang strengen sich die meisten Dienstleister besonders an und liefern auch mal mehr Leistung für wenig Geld. Aber irgendwann wird klar, dass gute Arbeit seinen Preis hat. Dann liefert man eben das, was man für Dreieurofuffzich erwarten darf. Ohne Redigieren könnten beide Texte meiner Ansicht nach nicht veröffentlicht werden. Aber Text A bietet zumindest stilistisch eine gute Grundlage für einen ordentlichen Webseiten-Text. Und das ist unser Anspruch, der über allem steht: Auch wenn das Thema noch so banal ist – der User hat einen gut lesbaren, flüssigen und interessanten Text verdient.

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3 Kommentare »

  • Jan Becker-Fochler / Textbroker meint:

    Guten Tag Frau Matejka,

    vielen Dank für Ihren Test unserer Plattform und den Vergleich mit dem Text eines Wettbewerbers.
    Aus unserer Sicht ist es schade, dass Sie die jeweiligen Namen nicht veröffentlicht haben. Ihre Annahme, dass sich neue Anbieter Mühe geben, mag durchaus richtig sein. In diesem Fall jedoch war es der erfahrene und kompetente Dienstleister, der das Rennen gemacht hat.
    Dass der Text aus SEO-Sicht noch Schwächen hatte ist ein Punkt, an dem wir weiter intensiv arbeiten werden. Ich freue mich jedoch, dass Sie zu der Einschätzung gekommen sind, dass unser Artikel sein Geld wert war.

    Herzlichen Dank, dass Sie einen offenen Test veröffentlicht haben und sich damit als fairer Wettbewerber beweisen.

    Viele Grüße aus Mainz,
    Jan Becker-Fochler

  • Elisabeth Matejka (author) meint:

    Lieber Herr Becker-Fochler,
    das tut mir nun richtig Leid, dass ich mit meiner Einschätzung so falsch gelegen bin. Umso froher bin ich über Ihre Reaktion und Richtigstellung. Zumindest sehen Sie, dass ich tatsächlich keine Ahnung hatte, welcher Text von wem stammte;-)
    Sie werden verzeihen, dass wir eine Lanze für Qualität brechen. Es gibt viele hoch qualifizierte Autoren, die zudem den Anspruch haben, von ihrer Tätigkeit leben zu können. Bei textbroker.de und anderen Contentfabriken kann nur derjenige angemessen Geld verdienen, der Texte im Akkord abliefert. Wir sind hier Zeuge einer Entwicklung, die andere Bereiche schon viel früher eingeholt hat. Sie können Ihre Möbel beim Schreiner oder bei Ikea kaufen. Und ich gebe zu, dass es für die Kunden eine ganze Menge Argumente gibt, zu Ikea zu gehen. Nicht zuletzt macht der Preis das Angebot attraktiv. Vor allem wenn man beim Design keine Abstriche machen muss, höchstens bei der Verarbeitung. Aber wer will heute schon noch Möbel, die ein Leben lang halten?
    Aber zurück zu Ihrem und unserem Geschäftsmodell. Ich bin mir sicher, dass es für alle einen Markt gibt. Es wird immer Kunden geben, die den schnellen und günstigen Text wünschen und dabei auf Feinheiten und Individualität weniger Wert legen. Und es wird marken- und qualitätsbewusste Kunden geben, die sich freuen, mit dem Verfasser ein paar Dinge absprechen zu können. Und die darauf vertrauen, einen hochwertigen, u.U. auch Google-optimierten und fehlerfreien Text zu bekommen.
    Jeder Paradigmenwechsel sorgt für Nachdenklichkeit und erhöhte Kritikbereitschaft. Wir beobachten die Discounterisierung des Schreibens. Das ist zweifelsohne neu und daran wird man sich erst gewöhnen müssen.
    Herzliche Grüße aus München

    Ihre Elisabeth Matejka

  • Oliver Flaskämper meint:

    Guten Morgen Frau Matejka,

    die Bewertung “katastrophal”, für den von uns gelieferten Text, können und wollen wir so nicht unterschreiben. Dafür jedoch, dass Content.de erst vor 2 Wochen online gegangen ist, können wir mit dem “Sieg nach Punkten” für unseren Wettbewerber gut leben.

    Wie es Ihr Test zeigt, liegt der aktuelle Schwerpunkt bei Content.de auf der Suchmaschinenoptimierung. So wie unser Wettbewerber angekündigt hat sein SEO-Defizit zu beseitigen, kündigen wir hiermit offiziell an, weiter an der Qualität der von uns vermittelten Texte arbeiten.

    Wettbewerb belebt das Geschäft. Der Gewinner wird am Ende der Kunde sein, der nicht nur stilistisch hochwertige, sondern auch perfekt suchmaschinenoptimierte Texte erhalten wird. Am Ende wird es also nur Gewinner geben…wobei wir schon gerne der 1. Gewinner wären ;-)

    Eine inhaltsreiche neue Woche wünscht
    Oliver Flaskämper

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